Kleine geistliche Wanderung durch die Linsenhöfer Sankt-Georgs-Kirche

Das Innere unserer Kirche. Der Innenraum strahlt Ruhe aus und lädt zum Gebet ein und zur Feier.

 

Unsere Linsenhöfer Sankt-Georgs-Kirche ist kein Ulmer Münster. Auch birgt sie keine glanzvollen Schätze wie der Kölner Dom. Sie ist eine ganz normale, wunderschöne Dorfkirche mit ganz eigenem Gesicht und Charakter. Und wir Linsenhöfer sind schon etwas stolz auf sie.

 

Zumal sie mit ihrem Baujahr 1425 (Chor mit Originaldachstuhl) das älteste erhaltene Gebäude Linsenhofens ist.

 

Haben Sie Lust, sie ein wenig besser kennen zu lernen?

 

Schließen Sie sich einfach unserer kleinen Wanderung durch die Kirche an!

Die Kirche von außen

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Der Turm der Kirche ist beeindruckend hoch, der höchste im Neuffener Tal.

Schon von weitem haben Sie den Turm gesehen, den mit etwa 40 Meter höchsten im Neuffener Tal. Er hat Sie zielsicher zur Kirche geleitet. Das ist auch seine Aufgabe. Er soll den Weg zur Kirche zeigen.

 

Im tieferen Sinn weist er nicht nur diesen Weg, er deutet zugleich wie ein Zeigefinger den Weg nach oben. Wenn Sie seine Ecken zählen, werden Sie auf die Zahl acht kommen.

 

Das ist die alte Symbolzahl für Auferstehung und ewiges Leben und für das Paradies. Und jetzt dürfen Sie raten, warum die glasierten Turmziegel ausgerechnet grün sind! Es ist die Farbe für sattes Leben und Glück, und für den Garten Eden. Auffällig spitz streckt sich unser Turm in Richtung Himmel. Er sagt uns: „Macht euch auf! Sucht bei Gott das satte Leben. Und feiert es in diesem Haus.“

 

Übrigens ist der Turmhelm bewusst nach Westen, also zur Wetterseite hin leicht geneigt: Sturm und Wetter zum Trutz wird er standhalten wie eine feste Burg des Glaubens.

 

Brauttüre, Bauinschrift Südseite

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Ein Detail von der Südtüre, der alten Brauttüre. Die Deutung ist unsicher.

Wenn Sie an der Südseite entlang gehen, kommen Sie an der Brauttür vorbei. Es ist die kleinere Tür Richtung Hauptstraße. Dort wurden vor langer Zeit die Ehen geschlossen. Sie ist die älteste Außentür und zeigt ebenso bemerkenswerte wie rätselhafte Bilder, die in den Stein eingemeißelt sind. Einmal soll es wohl ein Sakramentshäuschen, einmal vielleicht einen Weihwasser sprengenden Priester darstellen. Welche Bedeutung werden diese Zeichen gehabt haben?

 

Auf derselben Seite finden Sie einen interessanten Hinweis auf eine Erweiterung der Kirche im Jahr 1604. Sie erfolgte durch den Steinmetzen Hans Holderieth. Auf einer Sandsteintafel über der zweiten Tür ist zu lesen:

„Als man Zält 1604 Jar

Die Kirch alhie erweittert war

Zu Gottes Ehr durch gmeine fron

Ist diß Gottshauß erbauen schon (= schön).

Hans Holderieth“

 

„Gmeine fron“ besagt, dass die Kirche eine Anstrengung aller damaligen Einwohner von Linsenhofen war. Hier packte jeder mit an, ob reich, ob arm. Es war eine große Auszeichnung, zur Ehre Gottes an seiner Dorfkirche mitzubauen. Sie sehen, dass die Kirche von Anfang an wirklich das Gebäude aller Linsenhöfer war und allen miteinander gehört hat. Ist es nicht schön, wenn die Kirche noch immer mitten im Dorf steht?

 

Steinmetz Hans Holderieth hat übrigens im Jahre 1610 auch das hiesige Pfarrhaus erbaut, den schönen Fachwerkbau, den Sie gegenüber der Kirche sehen können. Auch er ist einen Blick wert.


Über einem der kleinen Kirchenfenster finden Sie noch den Hinweis auf die Erweiterung im Jahre 1810. Leider kennen wir die Abkürzungen der Inschrift nicht mehr. Auch wissen wir nicht, was damals genau gemacht wurde. Vermutlich das Emporenfenster eingebaut.

 

 

Die Kirche von innen - das Schiff

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So sah die Kirche bis 1956 aus, innen um 1910 so gestaltet. 1956 wurde dem Zeitgeschmack entsprechend die Kirche eher karg und grau gefasst. 1998 erhielt sie ihr heutiges Aussehen.

 

Aber nun nach drinnen! Bitte treten Sie im Westen ein, durch das Hauptportal. Es ist die Seite des Sonnenuntergangs, des Abends und der Dunkelheit. Für unsere Vorfahren war der Westen auch die Seite, wo die tödlichen Dämonen und die bösen Geister hausten.

 

Daher haben sie hoch über die burgenähnliche, fast fensterlose Westwand einen wehrhaften Sandsteingiebel mit Kreuz gesetzt. Das sollte zeigen, dass Christus, der Gekreuzigte, das Böse und die Dunkelheit und alles, was Angst macht, überwunden hat und von denen abhält, die sich in den Schutz der Kirche flüchten.

 

1995 haben wir das alte Symbol des Glaubens, Sandsteingiebel und Kreuz, wieder aufgerichtet, nachdem es in den 50er Jahren wegen Baufälligkeit und aus Geldmangel abgerissen und durch ein hölzernes Vordach ersetzt worden war. Jetzt können Sie also wieder wie unsere Vorfahren unter dem Schutz dieses Zeichens in unsere Kirche eintreten.

 

Durch das Eingangsportal schreiten Sie nun von Westen in Richtung Osten - vom Untergang der Sonne in Richtung Sonnenaufgang. Die Stufen vor dem Portal zeigen, dass das oft ein mühsamer Weg sein kann. Immer schon standen Heiligtümer und Kirchen auf Hügeln oder Bergen, auch unsere Kirche steht auf einer Erhebung. Aber der Weg hinauf lohnt sich für Sie. Denn nun kommt Ihnen das Licht entgegen.

 

Damit Ihnen das Licht wirklich entgegen kommt, deshalb haben die Alten die Kirchen immer in Richtung Osten gebaut.

 

Auch unsere Kirche aus dem 15. Jahrhundert ist selbstverständlich „ge-ostet“. Ungefähr ist das auch die Richtung zur heiligen Stadt Jerusalem, die alte Gebetsrichtung der Christenheit. Denn dort stand der Tempel Gottes, der heilige Tempel Israels. Und in Jerusalem ist Jesus gestorben und auferstanden.

Ein bisschen Tempel ist auch unsere Linsenhöfer Kirche, ein kleiner Abglanz vom großen Glanz des ursprünglichen Gotteshauses auf Zion, dem Tempelberg Jerusalems.

 

Das Licht vom Sonnenaufgang her springt Ihnen durch die ganze Länge des Kirchenschiffes fast entgegen im bunten Glasfenster des Chores. Alle Blicke zieht es gleichsam in Richtung Altar. Wenn Sie sich Zeit lassen, spüren Sie richtig die Spannung des ganzen Gebäudes auf diesen Punkt hin.

Unser Fenster deutet uns nun diesen Zielpunkt. Der bekannte Glasmaler Professor Saile aus Stuttgart hat es im Jahr 1956 gestaltet. In diesem Fenster begegnet Ihnen auf den ersten Blick, was Licht ins Leben bringt. Es ist die Geschichte von Jesus Christus.

 

Das Chorfenster: Auferstehung

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Das Kirchenfenster von Volker Saile, 1956.

Gehen Sie ruhig nach vorne und betrachten Sie das Glasfenster genauer.

Das Fenster ist von unten nach oben zu lesen.

 

Im untersten Feld ist das letzte Abendmahl Jesu abgebildet mitsamt der Fußwaschung. Es ist der Abschied Jesu von seinen Jüngern. Das Waschen der Füße zeigt, dass Jesus nicht zum Herrschen gekommen ist, sondern zum Dienen. Er will retten. Schön, dass das Abendmahl genau über der Altarplatte schwebt. Jedes Mal wenn wir am Altar Abendmahl feiern, ist auf geheimnisvolle Weise Jesus ganz bei uns und dient uns. Diese Gegenwart von Jesus ist Zielpunkt und Mitte unserer Gottesdienste. Nachlesen können Sie die Geschichte der Fußwaschung im Evangelium des Johannes im 13. Kapitel.

 

Das zweite Bild im Fenster zeigt den Fortgang der Geschichte. Nach dem Abschiedsmahl mit seinen Freunden geht Jesus in den Garten Gethsemane, um dort zu beten. Er nimmt als Beistand seine Jünger mit. Aber seine Jünger schlafen ein! Er bleibt allein. Er ist verzweifelt und will nicht sterben. Aber ein Engel erscheint vom Himmel und stärkt Jesus. Er zeigt ihm den Kelch des Leidens, das Zeichen, dass Jesus sich treu bleiben und für seine Sache in den Tod gehen wird. Das ist nachzulesen im Evangelium des Lukas im 22. Kapitel.

 

Als dritte Szene der letzten Tage von Jesus ist seine Abnahme vom Kreuz dargestellt. Er ist seinen Weg zu Ende gegangen. Jetzt ist er tot, aus Liebe gestorben. Was wäre gewesen, wenn er geflohen wäre? Niemand hätte seiner Botschaft der Liebe geglaubt. Dass es hier um Liebe geht, zeigt auch die Symbolfarbe Rot, die das ganze Fenster beherrscht und unsere Kirche farblich mitprägt. Der reiche Josef aus Arimathäa und der Pharisäer Nikodemus, geheime Anhänger von Jesus, tun den letzten Liebesdienst und versorgen den Verstorbenen und werden ihn ins Grab legen. Genaueres finden Sie im Evangelium des Johannes am Ende des 19. Kapitels.

 

Und an höchster Stelle dann, im Spitzbogen des Fensters, sehen Sie in doppelter Größe die Krönung der Geschichte von Jesus: seine Auferstehung. Drei Frauen, Maria aus Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome, wagen es, am frühen Morgen zum verbotenen Grab zu gehen. Sie wollen dort Jesus mit teurem Öl salben. Es war der erste Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne im Osten gerade aufging. Sie erschrecken, denn der Todesstein des Grabes ist weggewälzt. Und ein Engel sagt: „Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Geht aber hin und sagt es weiter!“ So können Sie es im Evangelium des Markus im 16. Kapitel lesen.

 

Ein schöner Name für das Fenster wäre vielleicht „Auferstehungsfenster“, ist doch die Auferstehung der Höhepunkt seiner Darstellung. Und außerdem ist es ein Ost-Fenster und leuchtet besonders schön zur Gottesdienstzeit bei aufgehender Sonne. Wie damals, als Jesus auferstanden ist.

 

Lassen Sie sich einladen, beim Betrachten ein wenig dem nachzuspüren, was die Geschichten des Auferstehungsfensters für Sie selber bedeuten: Dass da Jesus aus Liebe gestorben ist, auch für Sie. Weil Sie ihm so wertvoll sind. Dass er seine Jüngerinnen und Jünger liebt, auch wenn sie manchmal schlafen oder Fehler machen - und wer tut das nicht. Dass der Tod keine Macht mehr hat, auch nicht über Sie. Wenn Sie ein wenig berührt sind von unserm Fenster, dann hat es seinen Sinn erfüllt.

 

 

Die Farben der Kirche

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2002 stellten drei Künstler in der Kirche aus, Max Bailly, Stephan Klenner-Otto und Jörg Seemann. Sie ließen sich auf die Farben der Kirche ein. Hier eine Installation von Max Bailly.

 

Die Fenster sind ein wesentlicher Teil der Kirche. Gerade vom Auferstehungsfenster her entfaltet sich die ganze Kirche. Der äußere Rand des Fensters leuchtet in dunkelblauem Glas. Das Blau findet sich wieder als Bemalung auf dem Fensterrand. Dazu kommt ein feiner goldener Streifen, der dem Blauton Glanz verleiht. Außerdem nimmt er das Gelb des Fensters auf.


Die blau-goldene Farbe des Fensterrandes zieht sich nun wie Strahlen durch die gesamte Kirche, so dass alles von seiner Botschaft ergriffen wird. Die Sonne taucht außerdem die reinweißen Wände in die Farben der Fenster, so wie sich auch die Botschaft vom Licht immer wieder neu spiegeln soll im Leben der Menschen. Wenn Sie Glück haben, erleben Sie, wie der Lichteinfall je nach Tageszeit und Sonnenschein die Wände lebhaft und faszinierend zum Leuchten bringt.

 

Die Farben habe ihre besondere Bedeutung. Eine Kirche darf nicht beliebige Farben haben.

 

Schon rein von der Wirkung ist Ihnen vielleicht aufgefallen, dass unsere Kirche einen hellen, weiten und offenen Eindruck macht. Das ist nicht selbstverständlich. Sie ist nämlich eng und lang und hat eine Empore, die schwer auf der unteren Ebene lastet. Außerdem hat sie zu wenig Fensterflächen.

 

Deshalb haben Restaurator und Architekt in die bewährte Trickkiste der Farbgebung gegriffen: kalkweiße Wände geben Weite und Helligkeit, die blaue Farbe bringt zusätzlich Ferne und Tiefe. Gold bringt Licht. Und die Lampen hellen die Decken auf. Der feine blau-goldene Strich unter der Decke öffnet diese optisch nach oben. So stellt sich großzügige Feierlichkeit ein.

 

Offenheit, Weite und Helligkeit sind uns wichtig. Denn Sie sollen sich in unserer Kirche nicht eingeengt fühlen. In Psalm 18 heißt es „Gott ward meine Zuversicht. Er führte mich hinaus ins Weite; denn er hatte Lust an mir.“ Leider wurde die Weite Gottes in der Geschichte der Kirche manchmal vergessen und die Gläubigen wurden tatsächlich eingeengt. Lassen Sie sich in unserm Kirchenraum an die Freiheit der Kinder Gottes erinnern.

 

Aber nicht nur von der Wirkung her haben die Farben Bedeutung. Seit dem Altertum haben sie auch einen besonderen Sinn. Nach langer Phase des Vergessens erinnern wir uns heute wieder gern daran.

 

Blau und Gold sind klassische Kirchenfarben. Blau steht für Treue und Wahrheit, für Ruhe und Frieden. Blau ist die Farbe der Meditation. Natürlich ist sie die Farbe des Himmels. Gottes Thron in der Bibel ist blau, blau ist die Farbe seiner himmlischen Macht. Blau ist Christusfarbe, oft trägt Christus auf alten Bildern den blauen Mantel als Zeichen dafür, dass er zum „Reich der Himmel“ gehört.

Lassen Sie sich auf die Ruhe von Blau ein, werden Sie ein wenig berührt von Gottes weitem Himmel, der auch über Ihnen aufgehen soll.

 

Das Gold ist deswegen reizvoll, weil es aus sich selber leuchtet. Es vertritt die Macht des Sonnenlichtes, Symbol für Gott und Christus. Und es vertritt die Ewigkeit, denn Gold ist ja das Metall der Ewigkeit. Deshalb sind auf den Friedhöfen auch die Namen der Verstorbenen oft in Gold geschrieben. Für uns ist das meistens leere Tradition geworden, unsere Vorfahren wussten noch, dass das heißen sollte, dass die Namen der Verstorbenen bei Gott aufgeschrieben sind, dass sie also ewiges Leben haben.

 

Lassen Sie sich von unseren Farben daran erinnern, dass es mehr im Leben gibt als das Sichtbare und Vergängliche, Gottes Ewigkeit.

 

Eine kleine Nebenbemerkung noch: Auf etlichen mittelalterlichen Bildern ist der Heilige Georg in Blau und in Gold gehalten und kämpft mit einem rot-schwarzen Drachen. Denn Georg hat seine Macht vom Himmel, von Gott, um das Böse im Namen Christi zu besiegen. Unsere Kirche ist eine Sankt-Georgs-Kirche und trägt nun auch seine Farben.

 

 

Die Einrichtung

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Das Kruzifix, eine wertvolle Schnitzarbeit aus dem Alpenraum. Bis in die Details genau gearbeitet.

 

Betrachten wir nun die Einrichtung unserer Kirche. Sie hat keine großartige Ausstattung. Nähern wir uns dem wertvollsten Stück, dem Kruzifix, langsam.

 

Zuerst Altar und Taufe. Sie sind aus Sandstein gearbeitet und stehen damit felsenfest gegründet. Sie gehören zusammen und sind neugotisch, also etwa 100 Jahre alt. Wie viele Kinder und Erwachsene wurden seitdem hier getauft und damit Gott anvertraut? Wie viele Menschen gingen hier zum Abendmahl und nahmen am Altar Jesus Christus tief in sich auf durch Brot und Wein? Irgendwie strahlt der beständige Stein von Altar und Taufe noch etwas aus davon, dass zwar alles einmal vergeht, dass Gottes Verheißungen aber ewig bleiben werden.

 

Dass der Taufstein recht unvollkommen gearbeitet ist, das stört kaum. Er ist etwas unsymmetrisch. Nur Gott ist vollkommen. Es ist die Weisheit unserer Vorfahren gewesen, die in manchen Kirchen einen Fehler eingebaut haben, um die menschliche Unvollkommenheit zu zeigen. Damit der Mensch sich nicht selbst vergöttlicht und nicht übermütig wird. Sicher, unser Taufstein ist versehentlich so schief geraten. Möge er uns doch an unsere Grenzen erinnern. Und dass Gott uns trotzdem annimmt, sichtbar in der Taufe.

 

Wenn Sie nun in den Chor gehen, dann sollten Sie einmal in die Mitte treten und nach oben schauen. Der Chor ist der schönste Raum unserer Kirche. Genießen Sie seine Ausstrahlung.

 

Der Schluss-Stein, der das ganze Gewölbe hält, trägt ein Wappen. Trotz Nachforschungen ist seine Bedeutung leider nicht sicher zu erheben. Vielleicht ist es ein württembergisches Wappen, so vermutet ein Fachmann von Pro Heraldica. Denn das Patronat (die Unterhaltung und Versorgung) unserer Kirche hatten seit dem Hochmittelalter die Grafen und Herzöge von Württemberg. Entsprechend ist es gold-schwarz gestaltet. Ein anderer Fachmann von Pro Heraldica meint, es müsse ein anderes Stifterwappen sein. Nur wären dann - und das ist teuer - die Farben noch einmal genau zu bestimmen. Wie dem auch sei. Irgendwer hat zu Gottes Ehre und zur Freude der Linsenhöfer diese Kirche gestiftet. Einen freundlichen Gedanken ist dieser Mann oder diese Frau schon wert.

 

Durch die linke Tür mit dem sogenannten Eselsrücken (geschweifter Türsturz) kommen Sie in die alte Läutestube. Gehen Sie gerne hinein. Es erwartete Sie eine urtümliche Atmosphäre. Eine alte Ausschütte für Weihwasser ist in die Wand eingelassen (Weihwasser durfte nur in geweihte Erde ausgegossen werden - und der alte Friedhof war geweihte Erde). Sie wurde 1998 von Gipsermeister Adolf Trost wiederentdeckt. In der gewölbten Decke sind Öffnungen für die Glockenseile. Ganz früher war hier die Sakristei, der heilige Raum, wo sich der Priester für die Messe vorbereitet hat.

 

Auch im Chor selber, gegenüber der Tür zur alten Sakristei, konnte Adolf Trost eine Entdeckung machen. Dort ist nun die alte Sakramentsnische für das Tabernakel freigelegt (Aufbewahrungsort für Brot und Wein des Heiligen Abendmahls).

 

Zurück in das Kirchenschiff! Dort sehen Sie auf der Seitenempore die Orgel. Sie ist leider baufällig, und die Kirchengemeinde ist froh über jedes Jahr, das sie noch spielt und nicht ihren musischen Geist aufgibt.

 

Die Bänke sind mehr zu beachten. Sie sind aufwändig geschnitzt. Bei der Renovierung konnte und sollte ihr Alter nicht völlig kaschiert werden. Sie tragen würdig die Spuren eines ganzen Jahrhunderts. Hier saßen sie alle und sind vor Gott zur Ruhe gekommen, die Glücklichen und die Traurigen, die Jungen und die Alten, die Zerstrittenen und die Versöhnten, die Frischverliebten und die Verbitterten – alle.

 

Doch jetzt stehen Sie vor dem wichtigsten und wertvollsten Ausstattungsstück unserer Kirche. Es ist das Kruzifix über der Kanzel, eine hochwertige alpenländische Schnitzarbeit aus der Zeit um 1700.

 

Wie es nach Linsenhofen gelangt ist – wir wissen es nicht. Betrachten Sie den Gekreuzigten lange und genau. Er hat feine Gliedmaßen. Elegant sind die relativ kleinen Hände und Füße gestaltet. Die Muskeln sind genau beobachtet und ausgezeichnet herausgearbeitet. Wie gekonnt und durchdacht das Fallen der Haare und des Bartes geschnitzt ist!

 

Es ist dem unbekannten Künstler gelungen, einen Christus zu schnitzen, der das Heil durch sich hindurchscheinen lässt. Beachten Sie die Hände. Die eine Hand weist im Deutegestus nach oben, Richtung Himmel, Richtung Gott. Die andere Hand segnet.

 

Nehmen auch Sie Segen mit aus unserer Kirche. Nehmen Sie das Licht mit, das eine alte Kirche ausstrahlt. Denn so eine alte Kirche ist „aufgeladen mit Gebeten und Liedern der Gläubigen und verströmt geistliche Kraft“. So hat es ein zeitgenössischer Gelehrter ausgedrückt (Manfred Josuttis). Mehr als 500 Jahre wurde hier alles vor Gott gebracht, was Menschen bewegt hat, Leid und Freude. Mehr als 500 Jahre sprach hier Gott selber Menschen an und bewegte ihre Seele. Fast 600 Jahre - und heute sind Sie da.