In Memoriam Lothar Graner + 12.8.2012

 

Architekt Lothar Graner aus Nürtingen, 1951 geboren, ist am 12. August 2012 überraschend gestorben. Lothar Graner hat unsere Kirche in den 1990-er Jahren renoviert und der Kirche ihr heutiges Aussehen gegeben.

 

Mit Betroffenheit und erschrocken hat die Kirchengemeinde Linsenhofen vom frühen Tod "ihres" Kirchen-Architekten gehört und nimmt Teil an der Trauer der Familie.

 

Die hervorragend gelungene, von so vielen Menschen gelobte Renovierung spricht als Werk für seinen Meister. Lothar Graner hat in Linsenhofen Spuren hinterlassen, geistliche Spuren. Denn die Renovierung einer Kirche war ihm nicht nur technische Herausforderung oder ein Beitrag zum Denkmalschutz, sondern er verstand seine Aufgabe ausdrücklich geistlich.

 

Das spüren wir Linsenhöfer unserer renovierten Kirche ab. Wir sind stolz auf unsere Kirche. Sie ist wirklich Heimat von Glaube und Hoffnung geworden. Ein Haus Gottes.

 

Wir werden Architekt Lothar Graner in ehrendem Gedächtnis behalten und befehlen ihn in Gottes Hand.

 

 

 

 

Architekt Lothar Graner: Erläuterungen zur Kirchenrenovierung 1995 - 1998

 

Lothar Graner schrieb anlässlich der Wiedereinweihung der Sankt-Georgs-Kirche:

 

Nach der Außenrenovierung 1995 ist die Innenrenovierung der Georgskirche nach sechsmonatiger Bauzeit abgeschlossen worden. Ziel der Innenrenovierung war es, einen helleren und freundlicheren Sakralraum entstehen zu lassen.

 

Was sollte verbessert werden?

 

Die Eingangsbereiche mit ihren engen Windfängen aus Holz waren  unbefriedigend und sollten neu gestaltet werden.

Mehr Platz vor dem Altar und am Taufstein sowie am westlichen Haupteingang wurde gewünscht.

Der Chorbereich sollte für vielfältige Zwecke wie Kirchen- und Posaunenchor, kleinere Andachten, Abendmahl usw. besser nutzbar sein.

Die Beheizung und Beleuchtung der Kirche sollte verbessert, eine neue Akustikanlage vorgesehen werden.

 

Von großer Bedeutung war die Beibehaltung des seitherigen Orgelstandorts auf der Empore, nachdem alternative Standortüberlegungen entwickelt worden waren. Damit sprach man sich für den Erhalt der gesamten Empore aus.

Auf den Umgang mit dem Thema Licht und Farbe wurde sehr großen Wert gelegt.

 

Das Hereinnehmen der hellen weißen Kalkfarbe des Außenputzes und der naturbelassenen Außentüren sollte das Innere mit dem Äußeren verbinden. Die Wolkigkeit der weißen Farbe der Decke und der Wände war dabei durchaus erwünscht.

 

Die Farbigkeit des Innenraumes wurde mit dem Restaurator darauf abgestimmt. Ultramarinblau, Gold, Grau, Schwarz wurden dort eingesetzt wo es etwas hervorzuheben galt: An den Stützen und Brüstung der Empore, am Deckenfries und an den Fenstern, um bei entsprechendem Lichteinfall eine unterschiedliche Färbung an den Leibungen zu erhalten und um die Farbigkeit der Fenster deutlich hervorzuheben. Manchem fallen erst jetzt die Fenster richtig auf.

Besonders hervor tritt jetzt die Farbigkeit des östlichen Chorfensters.

 

Die eingesetzten Farben sind im übrigen historische Kirchenfarben und auch im Wappen des Schlusssteins des Chores vertreten. Weitere Farben können durch das Aufhängen von Bildern an in den Putz eingelassenen Schienen hinzukommen. Der Innenraum kann dadurch auch als Bildergalerie gestaltet werden.

 

Mut zur Farbe war gewiss erforderlich. Zusammen mit der weißen Kalkfarbe ist ein harmonisch wirkender Gesamteindruck mit einer optischen Weitung des Raumes entstanden.

 

Das hereinfallende Tageslicht wird durch künstliches Licht ergänzt, wie vor allem durch Deckeneinbauleuchten unter der Empore und über der Westempore, die gleichzeitig auch die Decke erhellen. Zwei moderne Pendelleuchten im Schiff ergänzen die Deckenleuchten passend.

 

Der Chor wird mit zwei Strahlern über die Lichtreflexion der Deck indirekt beleuchtet. Punktuelle Strahler erhellen zusätzlich den Altar und bieten auch die Möglichkeit ein Bild im Chorbereich anzustrahlen. Die Dimmbarkeit der Beleuchtung schafft eine je unterschiedliche Atmosphäre in Kirchenschiff und Chor.

 

Durch die Reduzierung der Bänke vor dem Altar und im westlichen Eingangsbereich entstanden großzügigere Bereiche. Mehr Platz für Taufe, musikalische Darbietungen im Altarbereich, am Westeingang Raum für Gespräche, ungestörten Ausgang und Abstellmöglichkeiten - etwa für Kinderwagen.

 

Die Bänke wurden nach alter Methode mit Eisenoxid und Pyrogalol als Kontrast zu den Wänden chemisch vergraut und mit einer neuen dreistufigen Bankheizung versehen.

 

Durch Entfernen der alten Windfänge und Schaffung eines gläsernen Windfangs am Westeingang wurde der Hauptzugang deutlich betont. Der Boden wurde in großformatigen Solnhofer Schieferplatten komplett neu verlegt und mit einer zusätzlichen Fußbodenheizung im Chor und vor dem Altar versehen.

Die Verbesserung der Akustik wird jetzt durch eine neue Beschallungsanlage für sprachliche und musikalische Übertragung gewährleistet. Eine Schwerhörigenanlage ist ebenfalls mit integriert.

 

Zusätzlich akustische Verbesserungen gegen den Verkehrslärm bieten neue Vorfenster im Chor, die dem Schallschutz und dem Schutz der Fenster vor Steinwurf dienen.

 

Das Gotteshaus ist jetzt innen wie außen ein Schmuckstück und lädt mit seinem Sakralraum wieder ein zu Anbetung und Lob Gottes.

 

21.9.1998
Dipl.-Ing. Lothar Graner für die Architekten Graner + Schwarz, Nürtingen